Hochsensible Liebe – Bodenkontakt

In meinem ersten Artikel zum Thema hochsensible Liebe „Erster Kontakt“ habe ich darüber geschrieben wie es sich anfühlen kann, wenn zwei hochsensible Menschen sich finden. Aber was ist wenn nur eine Seite hochsensibel ist?

Nach meiner Beziehung mit M. kam erstmal eine Weile nichts. Mein Studium hatte Priorität. Nach dem Ende des Studiums ging es Richtung Hamburg. In Hamburg startete ich mein Promotionsstudium und lernte J. kennen. Sie war eine kleine, zierliche Frau mit Sommersprossen und brünetten Haaren.

Kennenlernen

Wir hatten uns eigentlich zu einem Salsa Tanzkurs verabredet. Aber J. hatte ihre Tage und es ging ihr nicht so gut. Also machten wir einen DVD Abend bei mir. Wir sind uns dann näher gekommen und haben gekuschelt. Dann hat es sich über die nächsten Tage und Wochen zu einer Beziehung entwickelt. 🙂

Hochsensible Heilung

Am Anfang unserer Beziehung J. offenbarte mir, dass sie nicht soviel mit Sex anfangen kann, noch nie einen Orgasmus beim Sex hatte und Schmerzen beim Sex hat. Innerlich war ich erstmal etwas geschockt von der Offenbarung, weil sie ein erfülltes Sexleben in weite Ferne rücken ließ. Jedoch hatte sich mein Herz schon für sie entschieden. Ich sagte zu ihr: „Wir schaffen das!“ Und gab ihr einen Kuss. Sehr einfühlsam brachte ich ihr bei ihren schönen Körper auch selbst zu lieben. An eine Gegebenheit kan ich mich noch gut erinnern. Ich stellte sie vor den Spiegel und zog sanft ihre Schultern nach hinten und richte ihre Wirbelsäule auf. „Du hast schöne Brüste. Zeige sie! Trage sie mit Stolz.“ Ein Lächeln auf ihren Lippen war die Antwort. Ich zeigte ihr ohne Druck und mit viel einfühlsamer Handarbeit, wie genussvoll Sex sein kann. Ihre Schmerzen verschwanden mit der Zeit ganz. Nach ein paar Monaten bekam sie ihren ersten mit viel Schweiß lustvoll erkämpften Orgasmus. Im Laufe unserer Beziehung holte sich dann auch selbst den Sex den sie brauchte.

In der Beziehung

Wir hatten, glaube ich, als Paar so ein bißchen die Tendenz auf dem Sofa zu versacken. Wir schauten oft auf dem Sofa kuschelnd einen Film oder Serien und bestellten uns Essen bei Asiaten. Einerseits genoss ich unsere Komfortzone, andererseits war es mir manchmal etwas zu langweilig.

Schatten der Vergangenheit

Irgendwie vermisste ich die tiefe Verbindung und Intensität, die ich in meiner vorherigen Beziehung mit meiner Partnerin hatte. Mir war aber gar nicht so bewusst, was der Unterschied war.

Ich versuchte diese magische Verbindung auch mit J. zu finden und schleppte sie zum Yoga. Yoga war allerdings nicht so ihr Ding. Ich versuchte sie für Tantra zu begeistern. Ich wollte diesen Weg gemeinsam mit ihr als Paar gehen. Aber auf ihrer Seite war die Motivation sich in sexueller Hinsicht als Paar weiterzuentwickeln nicht so groß. Deshalb fühlte sie sich durch meine Weiterentwicklungsimpulse unter Druck gesetzt. Mir hingegen war es manchmal zu langweilig.

Trennung

Irgendwie hat sie sich aus der Beziehung zurückgezogen. Ich merke das als sie mich nicht mehr überall einbezog und ihr eigenes Ding machte. Dazu hatte sicherlich auch meine Promotion beigetragen, die sehr viel meiner Zeit und Energie beanspruchte. In einigen Punkte, speziell der Familienplanung, war unsere Ansichten sehr unterschiedlich. Ich wünschte mir Kinder. Sie schloß für sich Kinder aus. Für mich war dann der Zeitpunkt gekommen sie gehen zu lassen. Wir waren einen Teil des Weges zusammen gegangen und hatten eine gute Zeit gehabt.

Irgendwie ließ mich die Trennung mit vielen Fragen zurück. Warum fehlte diese magische Verbindung? Wie kann ich sie in anderen Beziehungen erschaffen?

Erkenntnisse im Nachgang

Ein paar Monate nach dem Ende der Beziehung kam dann die Erkenntnis zu mir. Ich stieß bei der Recherche im Internet auf das Thema Hochsensibilität und erkannte mich wieder. Mir fiel wie Schuppen von den Augen, dass dieses „magische Verbindung“ etwas mit der Hochsensibilität zu tun haben musste. Heute weiß ich, dass J. eine ganz normale Frau war. Sie war sensibel und einfühlsam  aber weder hochsensibel noch empathisch veranlagt und auch keine Drama Queen.

Die Kritikpunkte an unserer Beziehung, die Langeweile und das Hängenbleiben in der Komfortzone, waren eigentlich Ausdruck meiner unbewussten Ablehnung meiner eigenen nicht integrierten Hochsensibilität. Für  mich begang ein Prozess der Selbstfindung und Integration.

Hochsensible Liebe – Erkenntnisse zum Mitnehmen:

  • Lernen sich ein HSP und ein Nicht-HSP kennen, fehlt das tiefe gemeinsame Verstehen und Fühlen einer Beziehung zwischen zwei HSPs. Das kann dazu führen, dass eine oder beide Seiten sich unverstanden fühlen. Wichtig ist es in so einer solchen Beziehung eine gemeinsame, verbale Kommunikationsebene zu finden. Beide Seiten müssen die Sprache und Bedürfnisse der anderen Seite kennenlernen und respektieren.
  • HSPs müssen ihre Hochsensibilität integrieren und lernen ihre spezifischen Bedürfnisse und Wünsche ihrem Partner zu kommunzieren.
  • Die Empathie und das Einfühlungsvermögen von HSPs können sehr heilsam für den Partner sein.
  • HSP und Nicht-HSP können sich gegenseitig bereichern. Es ist wichtig, die Andersartigkeit des Partners als Geschenk zu sehen und nicht abzulehnen. Nicht-HSPs profitieren von dem tiefen Emotionen, der Empathie und dem Einfühlungsvermögen der HSPs. Sie lernen ihre eigenen Emotionen und ihre eigene Empfindungsfähigkeit zu schätzen. HSPs können in Nicht-HSPs einen Ruhepol und Stabilität finden.
  • Vorsicht: Hochsensible Frauen tendieren dazu ihre eigenen gefüllten Defizite durch einen vermeintlich starken Partner zu kompensieren. Dieses Thema beschreibe ich in einem separaten Artikel (Beziehungsfallen hochsensibler Menschen – Stärke versus Dominanz).
  • Innere unbewusste Konflikte treten oft im Außen zu tage, können aber nur im Innen gelöst werden.

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