Bali – Ein kritischer Rückblick

Wenn man die schönen Fotos von Bali auf Instagram und Facebook sieht, dann denkt man Bali wäre das Paradies. Jedoch blenden diese Fotos die Lebensrealität der Balinesen und die Schattenseiten des Bali Hypes aus. Ich habe zudem gesehen, welche tiefen Spuren der ungehemmte Export westlicher Technologie und der Massentourismus in Balis Natur und auch in den Seelen der Menschen hinterlässt. Mit dem Geld der Touristen ist gleichzeitig die Gier nach Bali gekommen. Bali ist somit auch ein Ort der Gegensätze. Arm und reich! Tradition und westlicher Lebensstil! Massentourismus und einsame Strände! Ich hatte dabei oft das Gefühl die Balinesen sind von dieser Entwicklung überrollt worden und sie verstehen die Tragödie dieser, ihrer eigenen, Veränderung nicht. Zudem ist das Lächeln aus den Gesicht vieler Balinesen gewichen. Dieser Artikel handelt über die Schattenseiten Balis.

Umweltverschmutzung

Auf Bali gibt es keine Abwasserbehandlung und nur in einigen Teile der Insel eine Müllentsorgung. Aus diesem Grund sammelt sich vor allem der Plastikmüll überall. Dabei sind die PET-Flaschen allgegenwärtig. Noch vor ein paar Jahrzehnten dominierte auf Bali eine Agrakultur und alle Abfälle wurden verbrannt oder in den nächsten Fluss geworfen. Diese Art der Müllentsorgung war auch kein Problem, weil die Abfälle zu 100% organisch abbaubar waren. Mit dem Tourismus und der westlichen Lebensweise kam auch der Plastikmüll. Da es nur in Teilen der Insel eine organisierte Müllentsorgung gibt, werden die Balinesen mit dem Problem alleingelassen und können es auf individueller Ebene nicht lösen. Dementsprechend wird der Müll einfach am Straßenrand oder auf dem Feld verbrannt, was zu riesigen stinkenden Rauchschwaden führt. Ein anderer Teil des Mülls landet auf wilden Deponien oder im nächsten Flussbett, wo er in der Regenzeit ins Meer gespült wird. Indonesien ist damit einer der Hauptverursacher für die Müllstrudel im pazifischen Ozean. Das Abwasser wird ebenfalls zum größten Teil nicht geklärt. Die Flüsse, die in den Bergen noch klar sind, verwandeln sich bis zur Mündung in stinkende Kloaken.

Energieversorgung

Die Energieversorgung basiert größtenteils auf fossiler Energie. Der staatliche Energieversorger PLN hat ein Monopol. Ich habe keine Anstrengungen gesehen, die reichlich vorhandenen erneuerbaren Ressourcen wie Sonne, Wasser und Wind zu nutzen. Jedoch scheint es Initiativen in Richtung Geothermie zu geben. Der Strom wird scheinbar ähnlich wie das Benzin staatlich gestützt und subventioniert. Das führt dazu, dass leere Kühlschränke weiterlaufen. Von Umweltbewusstsein keine Spur.

Verkehrsprobleme

Ein durchschnittlicher Deutscher ist wahrscheinlich schneller zu Fuß und fitter als ein Balinese. Der Besitz des eigenen Motorrads oder -rollers scheint so etwas wie ein Statussymbol zu sein. Selbst kurze Wege legen die Balinesen mit dem Motorroller zurückgelegt. Der Staat subventioniert das Benzin. Indonesien ist ein erdölproduzierende Nation. Die Hauptstraßen sind entsprechend ein Gewimmel aus Zweirädern. Die Luftverschmutzung und der Lärm sind enorm. Ein öffentlicher Nahverkehr existiert nur sehr bedingt in Form von Minibussen, die zwischen den größeren Gemeinden verkehren. Dieses Busnetz ist so schlecht dokumentiert, dass Touristen es nur sehr selten benutzen. Das hat auch seinen Grund. Laut der Aussage eines Taxifahrers arbeiten 90 Prozent der Männer im Transportsektor und fahren unter anderem Touristen durch die Gegend.

Massentourismus

Bali hat sich in den letzten Jahren massiv gewandelt. War früher Massentourismus nur in Kuta, dem Mallorca der Australier, anzutreffen, so wurde in den letzten Jahren und Jahrzehnten auch andere Teile der Insel massiv touristisch erschlossen. Ich empfand auch Ubud als überlaufen. Jeder will am Tourismus profitieren. Immer mehr Reisfelder verschwinden und weichen Hotelanlagen und Ressorts. „We are losing so much!“ sagte mir ein Fahrer in Bezug auf den Verlust der ursprünglichen Landschaft. Gleichzeitig geht das in den Hotels erwirtschaftete Geld größtenteils in die Taschen der Investoren und an der Bevölkerung vorbei.

In den touristisch geprägten Regionen wird man als Tourist andauernd auf der Straße angequatscht. „Taxi, Taxi!“ „Yes, Taxi!“ „Want to rent a bike!“ Jeder versucht dir irgendeinen Scheiß zu verkaufen. Nach einer gewissen Zeit ist man nur noch genervt von den Verkäufern und Schleppern. Bei einigen Sehenswürdigkeiten ist es ein regelrechter Spiesrutenlauf an den Buden und Verkäufern vorbeizukommen.

Im bereits erwähnten dominanten Transportsektor gibt es Verteilungskämpfe zwischen den lokalen Taxifahrern und den Fahrern app-basierter Mobilitätsdienste wie Grab. Aufgrund der Abhängigkeit vom Touristengeschäft werden die abgesteckten „Claims“ teilweise mit Gewalt verteidigt. Diese „Taxifahrermafia“ ist auch in der Lokalpolitik vernetzt. Das hat auch ethnische, religiöse Gründe. Die Grab-Fahrer stammen oft aus den muslimischen Landesteilen Indonesien während die Balinesen hinduistisch geprägt sind.

Mit dem Geld kam auch die Gier oder vielleicht war sie schon vorher da. Touristen werden oft von den Taxifahrern und Verkäufern abgezockt, wenn sie keinen Plan über die ortsüblichen Preise haben.

Yogis und Yoginis in Verdrängungsblase

Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass zumindest ein Teil der Yogis und Yoginis in Ubud die negativen Auswirkungen ihrer Anwesenheit ausblenden, während sie tiefenentspannt zwischen Veggie Restaurant und Yoga Studio pendeln. Wenn ich da auf Instagram lese „Mother Bali“, dann frage ich mich, was gibst du denn Mutter Erde zurück?

Es macht sich ja marketingmäßig auch nicht gut, wenn das Bild Balis als Paradies und Sehnsuchtsort einen Knacks bekommen oder gar der Hype abebbt. Was ist eigentlich mit Ahimsa, dem yogischen Prinzip des Nicht-Verletzens und der Gewaltlosigkeit? Der Druck auf das Ökosystem wird allein durch die Anwesenheit sovieler Menschen erhöht. Sie verletzen durch ihre Anwesenheit.

Jedoch würde ein Ausbleiben der Touristen Bali ebenso in Chaos stürzen. Ohne die Einnahmen aus dem Tourismus könnten die Balinesen nicht mehr überleben. Ein Dilemma, was sich wahrscheinlich nur durch eine nachhaltige Entwicklung lösen läßt.

Digitale Nomanden sind auch nur Heuschrecken.

Es gibt ja einige Leute die ihr Business von Bali oder Thailand aus betreiben. Grund dafür sind die niedrigen Lebenshaltungskosten. Ich habe mich gefragt, was unterscheidet diese Menschen von globalen Konzernen, die auch dort hingehen, wo die Steuern niedrig sind. Die Lebenshaltungskosten sind unter anderen so niedrig, weil die ganzen Gemeinkosten für Müllabfuhr, Infrastruktur, Sozialversicherung, Wasser -und Abwasserreinigung nicht erhoben werden. Digitale Nomanden sind in dem Punkt genausowenig nachhaltig wie die Konzerne, denn die Belastung für das Ökosystem und Gemeinwesen ist ja trotzdem vorhanden.

Hochsensibel auf Bali

Für einen hochsensiblen Menschen ist Bali schon eine krasse Nummer. Der Lärm und die Luftverschmutzung der Straßen sind sehr unangenehm. Besonders nerven die vielen Verkäufer und Schlepper, die einen auf der Straße ansprechen. Wenn ihr nach dem Bericht wirklich nach Bali wollt, dann seid ihr im ländlichen Bali gut aufgehoben. Ich empfand Munduk und Balian Beach als sehr ruhig und angenehm. Dort sind die Menschen auch ganz anders darauf.

Lichtblicke

Es gibt einige private Initiativen um das Müllproblem in den Griff zu bekommen. Mit der Initiative „Refill My Bottle“ kann jeder in den teilnehmenden Restaurants seine Wasserflasche wieder auffüllen.

Des Weiteren gibt es Initiativen für Müllvermeidung, -entsorgung und -recycling wie zum Beispiel:

  • ecoBali: ecoBali versucht mit einer ganzen Paletten an Projekten dem Müllproblem an den Kragen zu gehen. Neben Müllentsorgung, Recycling und Upcycling machen sie auch Bildungsprojekte in den Schulen.
  • Gili Eco Trust: Der Gili Eco Trust versucht die ökologische Situation auf den Gili Inseln zu verbessern. Neben Strandsäuberungen sowie Recycling und Upcycling gehört auch die Stabilisierung und Wiederherstellung der Korallenriffe mit sogenannten Biorock-Installationen zu ihren Bemühungen.

Was kannst du als Tourist tun?

  • Statt PET Flaschen kannst du deine eigene Trinkflasche benutzen, um Plastikmüll zu vermeiden.
  • Sämtliche Kosmetik und Waschmittel, die du mitbringst oder kaufst sollten biologisch abbaubar und mit wenig Plastik verpackt sein. Zum Beispiel kannst du Kernseife statt Duschgel verwenden.
  • Du solltest keine Strohhalme aus Plastik verwenden.
  • Du kannst an einem Beach Clean Up teilnehmen.
  • Die Klimaanlage so wenig wie möglich laufen lassen.
  • Du kannst statt in einem Resort oder Hotel in einem Homestay übernachten, um die lokale Bevölkerung unterstützen.
  • Wegbleiben!

Fortsetzung: folgt
Übersichtsartikel: Reisebericht Backpacking auf Bali

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